{"id":1458,"date":"2020-03-29T22:16:58","date_gmt":"2020-03-29T20:16:58","guid":{"rendered":"https:\/\/squishy-nobones.de\/?p=1458"},"modified":"2020-03-29T22:16:59","modified_gmt":"2020-03-29T20:16:59","slug":"warum-ich-deutsch-rap-bloed-finde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/squishy-nobones.de\/?p=1458","title":{"rendered":"WarUm iCh DeuTSch-RaP bl\u00d6d fiNDe&#8230;"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/20200329_174505-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1468\" srcset=\"https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/20200329_174505-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/20200329_174505-300x169.jpg 300w, https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/20200329_174505-768x432.jpg 768w, https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/20200329_174505-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/20200329_174505-350x197.jpg 350w, https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/20200329_174505-860x484.jpg 860w, https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/20200329_174505.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption><em>So muss Musik. Meine Meinung.<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>HaLLo, icH biN eS, sqSuisHy, der musikalische Tintenfisch. Ich habe seit schon einer Weile vor, irgendetwas \u00fcber Musik zu schreiben. Irgendwas. Vor einem guten Jahr habe ich mich zum Thema Kunst ge\u00e4u\u00dfert, Musik steht entsprechend eigentlich schon lange an. Und seit meine Ablehnung der <a href=\"https:\/\/squishy-nobones.de\/?p=779\">unertr\u00e4glich repetitiven Wiederholungen eines Mark Forster<\/a> schon Spuren von Besessenheit angenommen hat, dachte ich ja bereits, den Boden ausgelotet zu haben. <\/p>\n\n\n\n<p>Klar, es gibt, wenn wir in der deutschsprachigen Musik bleiben, ja immerhin auch noch deutsche Volksmusik, aber bei dieser Schei\u00dfe a) ist das alles fast schon wieder putzig in ihrem weltfremden, (im wahrsten Sinne des Wortes) hinterw\u00e4ldlerischen Mikrokosmos und b) muss man sich schon massiv aus dem Fenster lehnen, das ernsthaft als Musik und nicht als Folterwerkzeug f\u00fcr Kulturmasochisten zu bezeichnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mark Forster und seine musikalischen Klone (Tawil, Oerdinger, Bourani, Giesinger und wie die ganzen Dreitagebartfratzen aus der Lionel-Ritchie-School-of-Schafsblick hei\u00dfen) sollen auch gar nicht das Thema sein, selbst wenn ich zu ihnen und dieser niveaulosen Schlagermusik f\u00fcr Teenager eine Menge zu sagen h\u00e4tte. Ja, die Forsters von heute sind die Matthias Reims und Wolfgang Petrys von gestern. Ich freue mich schon darauf, sie auszulachen, wenn sie in zwanzig Jahren vor eine kr\u00e4chzenden Horde verbrauchter, in Gesicht und K\u00f6rperbau schwammiger Mittvierziger Frauen ihre angestaubten Hits in stickigen Bierzelten auf Volksfesten vor sich hin jaulen und sich physisch fit halten, indem sie den unf\u00f6rmigen hautfarbenen BHs des Publikums ausweichen. Schlimmer noch aber und als Abstieg absehbar w\u00e4ren Auftritte in der Prime Time der ARD. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background has-very-light-gray-color has-vivid-cyan-blue-background-color\"><strong>Fun Fact:<\/strong> Ist schon einmal jemandem aufgefallen, das Max Giesingers verzweifelter Versuch des Frauenverstehertums &#8222;Wenn sie tanzt&#8220; im Grunde unterschwellig sagt: &#8222;Hattest du mal abgetrieben&#8230;&#8220;?<\/p>\n\n\n\n<p>Nee, mir geht es nicht um Deutsch-Pop, mir geht es um das, was in der letzten Zeit als Deutsch-Rap tituliert wird und sich auf so eklatante Weise von allem unterscheidet, was den deutschsprachigen Musikmarkt die letzten Jahrtausende befallen hat. Und wie der Titel schon sagt, soll das Thema Rassismus in dieser malignen Geschwulst auditiver Unterhaltung sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber &#8222;Halt!&#8220;, werden jetzt einige sagen. &#8222;Squishy,&#8220; werden einige sagen, &#8222;gerade ein gro\u00dfer Teil der Deutschrapszene hat doch einen Migrationshintergrund. Wie kann man da von Rassismus sprechen?&#8220; Ja, m\u00fcsste ich da nicht viel eher \u00fcber Rechtsrock und solche braunen Kackw\u00fcrste wie &#8222;Sturmwehr&#8220;, &#8222;Sleipnir&#8220;, &#8222;Agitator&#8220; oder gar &#8222;Arische Jugend&#8220; (ernsthaft) oder das fehlgeleitete Fr\u00fchwerk der &#8222;B\u00f6hsen Onkelz&#8220; reden? (Inzwischen distanzieren letztere sich massiv davon, allerdings klebt ihr Schriftzug nach wie vor fr\u00f6hlich auf den gleichen Autos, die auch schwarz-wei\u00df-rote Fahnensticker und anderen Bullshit pr\u00e4sentieren. Egal, wo sie politisch stehen, ihre Musik ist nicht mein Geschmack.) <\/p>\n\n\n\n<p>Nein, muss ich nicht. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich muss gar nichts.<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwann sterben muss ich. Der Rest ist freiwillig.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dfer kacken. Kacken muss ich auch. Und das Ergebnis ist genau das, was solche Rechtsrock-\u00c4rsche anstatt eines Hirns in ihren alkoholgeschw\u00e4ngerten D\u00fcnnsch\u00e4deln haben. Das sieht und h\u00f6rt man aber auch gleich und das kommt nicht weiter \u00fcberraschend. Keiner, von ein paar ebenso hirnbefreiten Einzelindividuen abgesehen, wird sich durch das zuf\u00e4llige H\u00f6ren eines Albums wie &#8222;Juda raus&#8220; (Ren\u00e9 Tucholskis &#8222;Arische Jugend&#8220;) pl\u00f6tzlich zum Rassisten werden. Die Sache ist einfach zu stumpf.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber man stelle sich mal vor, es g\u00e4be eine Musik, die Leute davon \u00fcberzeugt, dass Menschen mit Migrationshintergrund alle miteinander frauenverachtende, schwerbewaffnete Drogendealer sind, die nur mit ihren dicken Autos herumprotzen, auf das Gesetz schei\u00dfen anstatt sich mal um den fehlerfreien Umgang mit der deutschen Sprache auseinanderzusetzen? <\/p>\n\n\n\n<p>Genau das tut allerdings Deutschrap. Allerdings, und diesen Einschub muss ich kurz bringen, rede ich nicht von deutschsprachigem Hiphop in der Tradition der Fantastischen Vier, die auch mal mit tiefgr\u00fcndigeren Texten aufgefallen sind. Mir geht es um den neuen deutschen Gangsta Rap. Unterlegt mit generischen Beats aus der Dose, die die Kids und Teens tanzen lassen, brabbeln Furzknoten wie Capital Bra oder Mero, Farid Bang und eine grobe Horde weiterer \u00fcber opulente Automobile, Oberweiten, Rauschmittel, Schusswaffen, Geschlechtsverkehr und warum sie jeweils geiler sind als alle anderen. Das ganze wird garniert mit einer Menge onomatopoetischer Grunzlaute, sodass am Ende eine alberne Suppe aus sinnlosen Satzfetzen, W\u00fcrgeger\u00e4uschen und Kraftausdr\u00fccken herauskommt: <\/p>\n\n\n\n<p><em>Dicke Schlitten (allda bra w\u00fcrg!)<br>Dicke Fotzen (digga allda uga uga)<br>Dicke Titten (brrt bla dingdong)<br>Isch k\u00f6nnt&#8216; kotzen! (ballaballa brrt gargl-karg!)<br>&#8211;<br>Den AMG voll Koks, juchee! (schwubbl bargh! nuku-nuku)<br>Weil isch mit deine Mudda eine Numma dreh! (fick fick bra!)<br>Wisch dir den Arsch mit Hundertern ab (furz wisch agh)<br>Die H\u00e4mmorhoiden bring&#8217;n disch ins Grab (zickezacke-h\u00fchnerkacke!)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Haben die Herren das Ganze mit ein oder zwei Hits auf Spotify ausgelutscht, kommen auch mal sanftere T\u00f6ne herbei, bei denen verzweifelte Gesangsversuche allerdings so tief unter einer schmierigen Schicht Autotune verbuddelt werden, dass man des Gef\u00fchl hat, es s\u00e4ngen die Fertigungsroboter des Wolfsburger VW-Werkes. Neben den wenigen Alexanders, Johanns und Kristoffers, die sich hier herumtreiben, findet man vor allem zwei ethnische Gruppen vor:<\/p>\n\n\n\n<p>Diejenigen mit osteurop\u00e4ischer Herkunft rollen dabei das &#8222;R&#8220;, als w\u00e4ren sie h\u00e4tte ihr fr\u00fcheres Leben in der Mosh-Pit eines Rammsteinkonzerts geendet. Sie hocken sich in ihren Videos in die G\u00e4nge der Superm\u00e4rkte gleich neben das Smirnoff-Regal, sodass man denkt, sie h\u00e4tten dort dringliche Ausscheidungsbed\u00fcrfnisse zu erledigen (&#8222;Russian Squat&#8220;). Man kann sich f\u00f6rmlich vorstellen, wie die G\u00e4nge der Spirituosenabteilung des REWE am Kottbusser Tor in Berlin rutschig vor Russenschei\u00dfe sind. Dazu haben sie einen neuartigen Proleten-Chic etabliert: Adidas-Trainingsanz\u00fcge und Badelatschen, umgedrehte Baseballm\u00fctzen (nur komplett mit Gr\u00f6\u00dfenaufkleber &#8211; ein Wunder, dass nicht auch noch das Preisetikett dran h\u00e4ngt oder dass man es gewagt hat, den Transportkarton zu entfernen&#8230;) und gro\u00dfkalibrige Handfeuerwaffen als Accessoire, kombiniert mit einer mattschwarzen Protzkarre mit dem CO2-Abdruck einer Stahlh\u00fctte, die in den 4,2 Sekunden, die sie von 0 auf 100 km\/h braucht, die halbe Biomasse des Jura-Zeitalters verbr\u00e4t. Das Auto steht aber nicht zwischen den Regalen. Es parkt. Vor der T\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/20200329_174827-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1467\" srcset=\"https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/20200329_174827-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/20200329_174827-300x169.jpg 300w, https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/20200329_174827-768x432.jpg 768w, https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/20200329_174827-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/20200329_174827-350x197.jpg 350w, https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/20200329_174827-860x484.jpg 860w, https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/20200329_174827.jpg 1893w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption><em>Blyat!<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Sprachfehler, der bei denjenigen dominiert, die ihre Wurzeln aus dem Nahen oder Mittleren Osten oder gar Nordafrika ableiten (in wievielter Generation sie sich auch immer befinden), ist das Ersetzen des Lautes [\u200b<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stimmloser_palataler_Frikativ\">\u00e7<\/a>] wie in &#8222;i<span style=\"text-decoration: underline;\">ch<\/span>&#8220; durch ein [<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stimmloser_postalveolarer_Frikativ\">\u0283<\/a>], also &#8222;i<span style=\"text-decoration: underline;\">sch<\/span>&#8220; und eine stimmhafte Betonung stimmloser Laute, sodass etwas elaboriertes wie &#8222;Isch hab disch gefiggt!&#8220; vollkommen normal wird. Die Autos sind hier vergoldet, so wie auch die Knarren und die Kl\u00f6ten. Die Kleidung ist weniger sportfixiert (auch, wenn das vorkommt), es d\u00fcrfen auch mal schwarze Rollkragenpullover, Sweatshirts oder (igitt) Polo-Shirts sein, Hauptsache, sie werden mit Goldschmuck so lange dekoriert, bis sie Sonnenlicht in der Intensit\u00e4t einer Supernova reflektieren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/20200329_174610-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1466\" srcset=\"https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/20200329_174610-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/20200329_174610-300x169.jpg 300w, https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/20200329_174610-768x432.jpg 768w, https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/20200329_174610-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/20200329_174610-350x197.jpg 350w, https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/20200329_174610-860x484.jpg 860w, https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/20200329_174610.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption><em>Nicht vergoldet, aber mindestens genauso protzig&#8230;<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Ja, das klingt wie eine billige Aneinanderreihung von Klischees, die in den Rassismus abzugleiten drohte, wenn ich als Tintenfisch nicht \u00fcber diesen Dingen stehe, weil ich wei\u00df, dass so etwas wie menschliche Rassen gar nicht existieren (<a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/politik\/extremismus\/rechtsextremismus\/213673\/rassen-gibt-s-doch-gar-nicht\">Genetiker wie Ulrich Kattmann<\/a> haben belegen k\u00f6nnen, dass der individuelle Unterschied im Erbmaterial von Karl Ranseier zu Paul Brockm\u00f6ller gr\u00f6\u00dfer ist als der Unterschied zwischen dem durchschnittlichen Mitteleurop\u00e4er zu einem australischen Aborigine, sodass eine Einteilung in &#8222;Rassen&#8220; keinen Sinn macht) und ich noch nicht einmal zu eurer Art, also auch nicht zu einer eurer eingebildeten Rassen geh\u00f6rte und mich als Mitglied dieser \u00fcber eine andere stellen k\u00f6nnte. Ich k\u00f6nnte mich des Speziismus schuldig machen, wenn ich mich als Tintenfisch den Menschen \u00fcberlegen f\u00fchlte.<\/p>\n\n\n\n<p>Und das tue ich auch, ist aber nicht das Thema.<\/p>\n\n\n\n<p>Jedenfalls hatte ich genau dieses Problem, als ich anfing, mir Gedanken zum Thema Deutschrap zu machen: Wie kann ich \u00fcber diese Musikrichtung schreiben, ohne den Vorwurf des Rassismus aufkommen zu lassen, wenn diese &#8222;Musiker&#8220; versuchen, alle Klischees zu bedienen, die man finden kann: Die des kriminellen, frauenverachtenden Ausl\u00e4nders? Das geht ja so weit, dass sogar &#8222;biodeutsche&#8220; (was f\u00fcr ein schwachsinniges Konzept) Rapper wie Bonez MC (einen Preis bitte f\u00fcr den Text von &#8222;Honda Civic&#8220; wegen der ersten Verwendung des Wortes &#8222;Unterboden&#8220; in einem weitgehend musikalischen Kontext) diese Bilder zu imitieren versuchen. Das Image wird in Verhalten und Sprache bis hin zu den vermeintlichen Sprachfehlern kopiert, bis man aufgrund der zus\u00e4tzlichen K\u00fcnstlernamen nicht mehr sicher sein kann, ob es nun Enes Meral, Vladislav Balovatsky oder Johann Lorenz Moser ist, der einen hier zusabbelt. Tats\u00e4chlich sind diese Aussprachefehler meist nur Affekt. Die Eltern sprechen oft besser die hiesige Landessprache als jene, die sich als &#8222;biodeutsch&#8220; bezeichnen. Der Erfolg des Deutschrap verleitet dazu, diese Klischees fortzuf\u00fchren und denjenigen Futter zu liefern, die aufgebracht br\u00fcllen, dass diese &#8222;Kanacken-Mucke&#8220; zu einem Verfall deutscher Sprache und Werte f\u00fchre. <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn sinistre Gestalten wie das Alice Weidel den Rapper Farid Bang als &#8222;asozialen Marokkaner&#8220; bezeichnen, kann man ihnen das in diesem Fall noch nicht einmal zum Vorwurf machen (keine Sorge, Alice produziert genug anderen Gr\u00fctz-Supp, den man ihr zum Vorwurf machen k\u00f6nnte), schlie\u00dflich hat sich Herr Bang <a href=\"https:\/\/genius.com\/Farid-bang-asozialer-marokkaner-lyrics\">im gleichnamigen Werk<\/a> selbst als solcher tituliert, bevor er das ganze mit der f\u00fcr sein Gesamtwerk so typischen \u00e4therisch entr\u00fcckten Lyrik schlie\u00dft:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Du willst mein Brot, du schei\u00df Missgeburt<br>Du bist &#8217;ne Fotze mit Bart wie Conchita Wurst, du Hurensohn <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Erhebend. <\/p>\n\n\n\n<p>Mir ist vollkommen klar, dass nicht wenige junge M\u00e4nner aus kriminellen Milieus es mit Hilfe dieser Musik geschafft haben, sich aus denselben zu erheben &#8211; und das mag lobenswert sein. Absolut. Daf\u00fcr ein ehrliches &#8222;Krass Respeggt, Allda! Ehrenmann!&#8220; Andere aber haben vielleicht eine Maler- und Lackiererausbildung ohne jegliche Vorstrafen vorzuweisen. Sie geben allerdings ebenso gerne den b\u00f6sen Kleinkriminellen, der sich wiederum als billige Kopie eines Oligarchensohns inszeniert, wie ihn John Wick an einem schlechten Tag in drei Sekunden mit einer Tube Handcreme abgemurkst h\u00e4tte. Das Image des Bad Boy wird in Videoclips kombiniert mit einer Bildsprache, wie man sie vielleicht aus der Pornoparodie eines Fast and Furious Films kennt, wenn man das ganze mit einer komischen Mischung aus Bollywood und Donald Trumps feuchtesten Tr\u00e4umen verr\u00fchrt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies ist dann das Bild der Einwandererkinder, das der gut beh\u00fctete deutsche Durchschnittsb\u00fcrger pr\u00e4sentiert bekommt. Das hat in zwei Bereichen besondere Auswirkungen: <\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Erstens<\/span>: Kinder und Jugendliche werden mit dem Zeug via Spotify gem\u00e4stet, imitieren die Sprache, weil sie cool ist. Die b\u00f6sen Jungs sind immer cool, weswegen Luke Skywalker auch nicht gegen Han Solo oder gar Darth Vader anstinken kann und hormonell irritierte Teenagerweibchen so furchtbar auf Vampire abfahren, selbst wenn es so weichgesp\u00fclt blasse Matschbacken wie die Milchbr\u00f6tchen aus dem Twilight-Kosmos sind. Da wird sich dann auch schonmal f\u00fcr ein geliehenes Radiergummi im Kunstunterricht mit &#8222;Krass, Digga! Ehrenmann!&#8220; bedankt (wobei das Wort Ehrenmann schon inflation\u00e4r f\u00fcr alles eingesetzt wird, das sich nicht von vornherein wie ein grob gestricktes Arschloch verh\u00e4lt) und so manche Grundschullehrerin durfte sich inzwischen ein &#8222;Isch figg disch, du Foddse!&#8220; aus dem Mund eines zwergw\u00fcchsigen Sechsj\u00e4hrigen namens Manuel Ephraim-Heinrich J\u00fcrgens anh\u00f6ren. Zum Gl\u00fcck w\u00e4chst sich das bald heraus und ein gro\u00dfer Teil der Doofbratzen mit dem Wortschatz\u00e4quivalent einer Frankfurter Bahnhofstoilette wird zu heranwachsenden Doofbratzen, die das ganze nur noch in ihrem Freundeskreis bei Snapchat pflegen. Dabei wissen sie gleichzeitig, dass und wie das au\u00dferhalb dieser kleinen virtuellen sozialen Blase eigentlich geht. Also, ein gro\u00dfer Teil wei\u00df das. Dieser Effekt ist gar nicht so schlimm, er w\u00e4chst sich bei den meisten raus. Und irgend etwas gibt es immer, das euch &#8222;die Jugend verdirbt&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Zweitens<\/span>: In Gegenden mit geringem Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund pr\u00e4gt genau dies das \u00f6ffentliche Bild. Wer nur Farid Hamed El Abdellaoui, das boshafte Abziehbild aus den Musikvideos kennt, nicht aber Dr. Muhammad Altan als Nachbarn hat, den Oberarzt f\u00fcr Neurochirurgie, der muss ja denken, alle Ausl\u00e4nder sind frauenverachtende, Knarren schwingende Drogenh\u00e4ndler vom Berliner Kiez, die mit dem zusammengeklauten Lambo herumprollen und eine seltsame Aussprache pflegen. Ich will es mal in Zahlen fassen: Nur f\u00fcnf Bundesl\u00e4nder in Deutschland haben einen Bev\u00f6lkerungsanteil mit Migrationshintergrund von weniger als zehn Prozent &#8211; alle zwischen sechs und sechseinhalb. Der Bundesdurchschnitt liegt bei \u00fcber 25% (wobei etwa die H\u00e4lfte davon Deutsche sind &#8211; wer sich fragt, wie das denn funktioniert, ist eigentlich doof). F\u00fcnf Bundesl\u00e4nder, die eine deutlich geringere Kontaktfl\u00e4che zu potenziellen Meros, Capital Bras und ihresgleichen haben als alle anderen. Es sind \u00fcbrigens auch f\u00fcnf Bundesl\u00e4nder, in deren Landtagswahlen der Stimmanteil einer gewissen rechtspopulistisch-ausl\u00e4nderfeindlichen Partei h\u00f6her ist als 20%. Warum es (nat\u00fcrlich) gerade diejenigen f\u00fcnf Bundesl\u00e4nder mit der geringsten prozentualen Migrationserfahrung sind, in denen am lautesten gegen Migranten gewettert wird, hat mir noch keiner erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Wenn dann Murat Yilmaz, Ingenieur f\u00fcr Elektrotechnik bei einem hiesigen Familienunternehmen, nebenan einzieht (oder gar ein Herr Boateng), dann wird gleich die Dackelkrawatte enger geschnallt, das in gebrochenem Deutsch verfasste Plakat von der letzte Pegida-Demo hervorgekramt, die Frau sicherheitshalber im Luftschutzbunker versenkt und das Horst-Wessel-Lied gesummt, w\u00e4hrend die gepanzerten Jalousien mit dem Ger\u00e4usch eines Battallions MG 42 herunterrasseln.<\/p>\n\n\n\n<p>Weist diese Menschen bitte nicht auf die Existenz von Andreas Bourani oder Adel Tawil hin. Das wiederum w\u00fcrde ihr Weltbild ersch\u00fcttern und das m\u00f6gen die Menschen nicht. Nein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-color has-background has-very-light-gray-color has-vivid-cyan-blue-background-color\"><strong>Fun Fact<\/strong>: Ist noch keinem aufgefallen, dass &#8222;Capital Bra&#8220; aus dem Englischen \u00fcbersetzt &#8222;<em>gro\u00dfartiger B\u00fcstenhalter<\/em>&#8220; odert &#8222;<em>BH des Todes<\/em>&#8220; hei\u00dft?<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"420\" src=\"https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bitmap-in-Unbenannt-1-1024x420.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1469\" srcset=\"https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bitmap-in-Unbenannt-1-1024x420.png 1024w, https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bitmap-in-Unbenannt-1-300x123.png 300w, https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bitmap-in-Unbenannt-1-768x315.png 768w, https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bitmap-in-Unbenannt-1-1536x630.png 1536w, https:\/\/squishy-nobones.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Bitmap-in-Unbenannt-1.png 1888w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Na gut, es gibt k\u00fcnstlerische Freiheit. Lasst also den Menschen diese Musik, ihre fetten Beats und ihr pubertierendes Herumgeprolle. Kunst darf und muss frei bleiben, muss und darf auch &#8222;Das Leben ist &#8217;ne Bitch, ich pack&#8216; die Schlampe an der Gurgel&#8220; als hehre Dichtkunst empfinden d\u00fcrfen. Vergesst aber nicht, dass ihr hier Klischees kolportiert, die ihr eigentlich nicht haben wollt, dass hier Gr\u00e4ben vertieft werden k\u00f6nnten, die keiner haben muss und mit der Deutlichkeit einer verschissenen St\u00fcrmer-Karikatur ein Bild vermittelt wird, gegen das dann linksgr\u00fcnversiffte Gutmenschen wie mein Mitbewohner oder Bessertintenfische wie ich ank\u00e4mpfen, w\u00e4hrend rechtsradikale Kackfratzen sich durch dieses Bild zu Taten wie in Halle, Hanau, Kassel etc. angestiftet f\u00fchlen. <\/p>\n\n\n\n<p>Nein! Nein, wirklich nicht: Deutschrap ist nicht die Ursache f\u00fcr rassistische und rechtsextrem motivierte Gewalt. Deutschrap tut aber auch nicht wirklich etwas daf\u00fcr, dass ihre Feindbilder abgebaut werden. Im Gegenteil. <\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt werde ich wieder viel zu politisch und lehne mich ein wenig zu weit aus dem Fenster. Aber das erw\u00e4hne ich hier nur, um Kritiker, die mir genau das vorwerfen wollen, in die Parade zu fahren. Hah! Nehmt das!<\/p>\n\n\n\n<p>Okay, ich sage es mal anders: Viele Interpreten des so genannten Deutschrap verst\u00e4rken ein eigentlich rassistisches Klischee. Es braucht ein gutes, f\u00e4higes Gehirn, um das als das zu erkennen, was es ist: eine deutliche \u00dcbertreibung, die genauso wenig die sichtbare Wirklichkeit wiedergibt wie ein Avengers-Film oder (f\u00fcr die verbohrten pseudointellektuellen Spinner und Scorcese-Fans) ein kubistisches Portrait. An Gehirnen habe ich gleich neun zur Auswahl &#8211; ihr nur eines. Macht euch mal Gedanken dazu.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ich gebe zu, ich mag diese Art der Musik einfach nicht. Und abgesehen von meiner allerbestens begr\u00fcndeten Analyse dort oben ist das auch eine Menge Geschmack. In irgendeinem Keller sitzt ein verpickelter Fettsack mit seinem Computer und struppelt einen einfachen Beat zusammen, bestehend aus einem generischen Rhythmus, einem treibenden Bass und&#8230; ja. Eigentlich sonst nichts. Sounddatenbanken werden legal oder illegal irgendwo heruntergeladen, mit der Maus ein wenig hierhin und dahin geklickt. Man kann sich diese Beats auch kaufen und dr\u00fcbersabbeln. YouTube ist voll von Gratisbeats, mit denen jede Wurst seine st\u00fcmperhaften F\u00e4kalmonologe erbrechen kann. Dabei ist das prinzip hier \u00e4hnlich wie bei den ganzen halbgaren Proto-Teens, die meinen, sie k\u00f6nnten sich wie ihre gro\u00dfen Vorbilder Gronkh oder Ninja eine goldene Nase (oder den goldenen AMG, zumindest aber die vergoldeten Kl\u00f6ten) verdienen, indem sie mit \u00e4hnlichem Vokabular wie die Rapper (&#8222;Allda&#8220;, &#8222;Digga&#8220; und dazugeh\u00f6rige W\u00fcrgelaute &#8222;Bruh!&#8220;) vor dem Bildschirm hocken und zocken. Let&#8217;s Play und Low IQ Prolo Rap gaukeln den Jung-Idioten die gleiche Illusion vor, dass man nix k\u00f6nnen muss, um reich zu werden. Vielleicht liegt hier ja die viel gr\u00f6\u00dfere Gefahr des Deutschrap: Man muss nur undeutlich sprechen und m\u00f6glichst viele Kraftausdr\u00fccke in einen Satz pressen, dann kommt das Geld schon von selbst. Aber ich f\u00fcrchte, die erfolgreichen Rapper machen das dann trotz aller unzul\u00e4nglichkeiten doch noch etwas besser als das unbeholfene Gestammel einer zwergw\u00fcchsigen Aknefarm.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den Profis ist die Arbeitsteilung tats\u00e4chlich aber recht simpel. Irgendwer produziert den Rhythmus, die Kriminalproletei schmiert ihren verbalen F\u00e4kalbrei dar\u00fcber und garniert das noch mit mit diesem Mischmasch aus Gold, Adidas, Beretta, AMG, Koks und Smirnoff und einem Frauenbild, f\u00fcr das sich eine Stripperstange sch\u00e4men w\u00fcrde. Ja, das hier benutzte Verb ist &#8222;produziert&#8220; und nicht &#8222;komponiert&#8220;. Komponieren setzt ein stimmiges Zusammensetzen verschiedener Einzelteile voraus, die in Wohlklang oder Spannung miteinander agieren. Das erfordert Geschick, Gef\u00fchl und Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Musik. Hier wird aber nur etwas produziert, hervorgebracht also, etwa so wie das wiedergek\u00e4ute Zeug, auf dem eine Kuh herumkaut. <\/p>\n\n\n\n<p>Oder Schei\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, ich bin da vielleicht ein intellektueller Snob. Ich darf das. Als Tintenfisch darf ich auch auf all diese Dinge herabschauen. Ich so oder so, ich schaue schlie\u00dflich auch auf meine Cousins und Artgenossen Fl\u00f6bbl und Rohrschach herab, wobei letzterer durchaus \u00fcber einen Wortschatz verf\u00fcgt, der Capital Bra die Schamesr\u00f6te ins Gesicht treibt. Und ich gebe zu, dass auch nicht alle aus dem gro\u00dfen Bereich deutschen Sprechgesangs jetzt nur auf gehirnbefreite Weise ihre vermeintliche M\u00e4nnlichkeit unter Beweis stellen m\u00fcssen. Sogar bei Kollegen wie Kontra K gibt es inzwischen durchaus mal mehr zu h\u00f6ren als &#8222;Ballern, Saufen, Bitches knallen, zugekokst in&#8217;n AMG-Sitz fallen (bra bra bla bla)!&#8220; Auch wenn der Herr den gleichen Produzenten hat wie die Herren Bonez MC und Capital Bra, n\u00e4mlich ein Duo namens &#8222;The Cratez&#8220;. Ich habe einfach ein Problem mit &#8222;Musik&#8220;, bei der die produzierende Person so viel Ahnung vom Musizieren hat wie ein Counter Strike Spieler vom Krieg. Es gibt auch gute, elektronische Musik, aber ihre Komponisten wissen meistens sehr genau, was sie da machen. W\u00e4hrend The Cratez wahrscheinlich nicht einmal wissen wo und wie sie eine Gitarre anzufassen h\u00e4tten, k\u00f6nnte der &#8222;B\u00fcstenhalter des Todes&#8220; sich wahrscheinlich nicht einmal entscheiden, wem er mit dieser seltsamen Keule zuerst den Sch\u00e4del einschlagen soll. Farid Bang oder sich selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber das ist vielleicht auch nur so ein Klischee&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>HaLLo, icH biN eS, sqSuisHy, der musikalische Tintenfisch. Ich habe seit schon einer Weile vor, irgendetwas \u00fcber Musik zu schreiben. Irgendwas. 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