SqUisHy erKläRt weIHnaChteN!

(Eine überarbeitete und erweiterte Fassung der Artikel vom letzten Jahr, jetzt auch als Video:)

sQuisHy bElls, SquiShy BeLLs, sqUisHy aLL tHe Way… HaLLo! Es ist Heiligabend. Weihnachten. Das Fest der Liebe, Familie… die ersten Menschen sind früh unterwegs, um als Lohnsklaven im Einzelhandel ihr Tagewerk zu verdingen und auf verzweifelte Ehemänner oder Freunde zu warten, denen irgendwie zu entfallen zu sein scheint, dass Weihnachten dieses Jahr (schon wieder) auf die Tage 24. Bis 26. Dezember fällt. Gegen 09:15 Uhr versammelt sich eine Traube Hoffnungsloser im Einkaufszentrum vor der Parfümeriekette und tritt nervös von einem Bein auf das andere. Öffnen sich die Türen, quellen sie herein und, betäubt von Dämpfen, die an die Gefährlichkeit von Senfgas heranragen, stellen sie scheinbar Grabenkriege des Ersten Weltkriegs nach – nur ohne Regen und Matsch. Vielleicht auch ohne die herumfliegenden, feindlichen Kugeln. Dafür aber mit der gleichen existenziellen Panik, in diesem Falle an Heiligabend ohne Geschenk dazustehen.

Und die Gräben sind gesäumt von bizarr geformten Parfümflakons. Man taumelt von einem Regal zum anderen, verzweifelt auf der Suche nach einer allerletzten, scheinbar einfallsreichen und ach so kreativen Idee. Dabei ist jetzt schon klar, dass sie mit einer von zwei Möglichkeiten wieder herauskommen werden: Geschenkset oder Gutschein. In jedem Fall haben sie ein kleines, türkises Tütchen in der Hand. Manche sogar ein paar mehr, die sie dann direkt vor Ort hastig mit einem Edding beschriften.

Mal ehrlich: Was sagt ein Parfümeriegutschein tatsächlich aus? „Du stinkst und es ist mir egal, was du dagegen tust, aber hier ist Geld. Tu was!“ Man kann natürlich auch Kosmetika dafür kaufen. Dann ist die Aussage eben auf das Aussehen bezogen… auch nett. Da kann man auch einen Eimer Wandfarbe schenken. Das Ergebnis ist nicht viel schlechter als die unterschiedlichen Gesichtskleister und die Gerüche im Baumarkt fressen einem auch nicht die Nasenschleimhaut weg.

Heiligabend im Einkaufszentrum ist das Tollste… wenn man alle Geschenke zusammen hat oder Tintenfisch ist und eh nix auf den ganzen Hype gibt. Und ein Hype ist es. Es wird ein rasendes Gewese um dieses Fest gemacht. Die Menschen in beinahe der ganzen Welt feiern, aber was eigentlich? Die Wintersonnenwende, den Ferienbeginn, die Erfindung von Coca Cola? Ganz so sicher sind sich viele nicht. Ist auch egal, Hauptsache schlechte Lieder im Radio mitsingen und Geschenke einsacken. Dazu behaupten alle, es sei die besinnlichste, festlichste Zeit des Jahres, in der die Menschen in Frieden zusammenkommen – in diesem Fall heißt das, dass sie im Einkaufszentrum aufeinandertreffen, um sich am Grabbeltisch mit den Last-minute-Geschenken die Köpfe einschlagen.

Was also feiert man, zumindest offiziell, an Weihnachten? Jedes Land bzw. jeder Staat hat in der Regel mindestens einen staatlichen, historisch motivierten Feiertag. Die meisten Feierlichkeiten der Menschen haben aber mit Religion zu tun. Religion, das ist, wenn Menschen auf die drängendsten Fragen des Universums keine verständliche Antwort finden und stattdessen eine oder mehrere kuriose, übernatürliche Gestalten einfügen, die sie für alles verantwortlich machen. Die Vorstellung zuzugeben, dass man irgendwas einfach (noch) nicht weiß, ist unerträglich für Menschen. Sie denken sich lieber hanebüchene Geschichten aus, in denen ein transkosmisches Gürteltier das Universum an einem Mittwochnachmittag kurz vor vier ausgeschissen hat.

Oder dass Sonne und Mond die rechte und die linke Brustwarze des fünfköpfigen Gottes-Huhns sind. Warum Hühner Brustwarzen haben? Es ist ein Gottes-Huhn, also zeigt ein wenig mehr Respekt, ihr Gotteslästerer. Die Warzen des Huhns sind unergründbar. Darum geht es bei Religion also, Erklärungen für Dinge finden, die man nicht erklären kann. Götter sind das ultimative X in der Gleichung des Daseins. Und während die Wissenschaft bemüht ist, die Gleichung aufzulösen und X zu bestimmen, beten die Religionen X an und möchten es nicht gegen komplexe biologische bis astronomische Vorgänge austauschen, geschweige denn zuzugeben, dass X nichts als eine Unbekannte ist. Religion ist die organisierte Anbetung einer Weigerung, die Herausforderungen der Wissenschaft anzunehmen.

In frühen Zeiten hatten alle eine Menge solcher Variablen, solcher Götter, jeder mit seinem eigenen Geschäftsbereich. Transkosmisches Gürteltier und zweibrüstiges Gottes-Huhn waren Kollegen. Dazu kamen hunderte weiterer und das ganze ähnelte einer riesigen Behörde, in der immer der Beamte in einem anderen Zimmer und einem anderen Stockwerk zuständig war. In einigen Gegenden hat sich daraufhin eine Art Religion 2.0 mit einem Super-X herausgebildet, das alles kann. Eine Art Kreuzung aus Thermomix und Saugroboter war geboren. Leider hatte das Ding die Neigung zu unkontrollierten Rachegelüsten, Fehlfunktionen oder einfach einem ziemlich kranken Ego. Er flippte den Geschichten, die man sich zu ihm ausdachte, einmal fröhlich aus und rottete alles Leben bis auf ein paar Ausnahmen aus, indem er eine riesige Flut über das Land brachte. Wir Tintenfische blieben unter Wasser natürlich unberührt von so einem Trotzverhalten. Es war eine Religion mit dem Motto „betet mich an, sonst hau ich euch die stinkende Fresse dick, ihr Pisser!“ Man musste aufpassen, dass die Haare in die richtige Richtung gekämmt waren, dieser Mono-Gott hatte gerne mal einen Furz quer sitzen und ließ schnell Feuer und andere Substanzen auf ganze Städte regnen. Sodom und Gomorrha können kein Lied mehr davon singen.

Auch nicht Lots Frau, die wegen einer gescheiterten „Du darfst aber nicht gucken!“-Challenge gleich in einen Salzkristall verwandelt wurde. Bei Hiob wurde mal eben der ganze Viehbestand und sogar die ganze Familie ausgerottet, nur weil sein Gott eine Wette gewinnen wollte. Nebenbei erließ er so viele krude Gesetze, dass er damit ganze Bücher füllte. Von den zehn bekanntesten ging es in den ersten dreien nur um ihn und sein Ego. Da nur Platz für überschaubare zehn solcher „Gebote“ war, mussten Sachen wie „Du sollst niemandem Gewalt zufügen!“ oder „Du sollst keine Leute versklaven!“ leider ausfallen. Das Buch, das dieser Gott angeblich persönlich mitverfasst haben soll (in ziemlich kruder Sprache übrigens), ist entsprechend voll von göttlich begangenen oder sanktionierten Gewaltfantasien.

Dann aber kam eine Sekte dieser Religion auf, ein Derivat, ein quasi radioaktives, weil besonders verstrahltes Isotop, in dem es plötzlich hieß, es sollten sich alle lieb haben und der tolle, großartige Gott hat auch in Wirklichkeit alle lieb. Mal ganz davon abgesehen, dass dieser Friedfertigkeitsgedanke nicht lange gehalten hat und seitdem im Namen dieses neuen Kuschelgotts zum Liebhaben mehr Gräueltaten verbrochen wurden als je zuvor. In einer Konkurrenzreligion scheinen allerdings eine Gruppe richtig Durchgedrehter zu denken, das sei ein Wettkampf, aber das gehört jetzt nicht hierher, ist zum Glück auch nur eine Minderheit…  Zuerst waren die Leute natürlich misstrauisch. Darauf hatten die Sektengründer eine Idee: Der Gott sollte seine Zuneigung beweisen, indem er seinen eigenen Sohn zu den Menschen schickte und – Trommelwirbel – ihn umbringen ließ. Badumm Tss! Okay, wie all das nun funktionieren und warum das so eine tolle Idee gewesen sein soll, hat mit dem anderen Hauptfest dieser Sekte zu tun, die sich übrigens „Die Christen“ nennt, mit Ostern. Darüber können wir ein anderes Mal reden, oder ihr lest den Text dazu (siehe Beschreibung). Der Sohn des Christengottes war ein gewisser Jesus und (und dann versteht ihr, warum ich so weit ausgeholt habe) wurde angeblich an Weihnachten geboren.

Dass der Geburtstag dieses Jesus Ende Dezember gefeiert wird, hat so seine Tücken und es ist nicht ganz nachvollziehbar, was da passiert ist. Viele behauten, das Datum sei gar nicht wirklich so richtig, dass es da nur hingelegt wurde, um den Germanen und Skandinaviern etwas anstatt ihrer Jul genannten Wintersonnenwende zu feiern zu geben. Wer nimmt denn schon gerne eine neue Religion an, wenn er dafür den Vorwand für ein Gelage aufgeben muss? Ganz falsch ist das nicht, richtig ist das aber auch nicht. Einige frühe Schriften, die älter sind als die Expansion nach Norden, haben aufgestellt, dass Jesus zur gleichen Zeit im Jahr gezeugt wurde, wie er später gestorben ist – also etwa Ende März. Neun Monate später haben wir Ende Dezember. Könnte also passen. Wahrscheinlich sind dann eher die Römer schuld, die auch in dieser Zeit ein Fest hatten, Sol invictus, das Fest der unbesiegten Sonne – also auch ein Wintersonnenwendfest. Gut möglich dass sich die frühen Christen genau daran orientiert haben. Macht ja auch Sinn, denn alle möglichen Kulturen haben so eine Tradition.

Die Geschichte geht so… Maria ist schwanger. Ihr Verlobter heißt Josef und ist nicht der Vater. Das ist Gott. Josef hat damit kein Problem. Okay, müssen die beiden unter sich ausmachen. Muss ein ganz schönes Schaf von einem Mann gewesen sein.

Andere hätten Maria wahrscheinlich gesagt, sie solle sich zum Teufel scheren, oder in diesem Fall zu Gott. Warum auch immer Josef sie nicht vor die Tür gesetzt hat, er blieb mit ihr zusammen. Als später die Obrigkeit alle möglichen Kinder umbringen wollte, um einen vermeintlichen Erlöser zu erwischen (da hat doch wer geplaudert) und die Familie nur wegen des jungen Jesus also nach Ägypten fliehen musste (damals floh man nach Ägypten, das inzwischen seine Attraktivität offenbar eingebüßt hat), blieb Josef noch immer dabei. Später kommt Josef dann doch noch zum Zug: Es wird zumindest von vier Brüdern gesprochen (Jakobus, Joses, Judas und Simon), Schwestern werden nur erwähnt. Allerdings ist nicht klar, ob Josef da tatsächlich der Vater ist. Maria wird als Mutter genannt, aber Josef… Vielleicht war das so ein Zweckding. Maria hat sich um halb Nazareth gekümmert und Josef war insgeheim schwul.

Egal, Maria war also mit Jesus schwanger von Gott (so ihre offizielle Erklärung) und Josef musste mit dem jungen Glück nach Bethlehem ziehen, weil die Römer eine Volkszählung befohlen hatten und aus Gründen der hervorragenden, antiken Bürokratie sollte jeder Mann sich dafür in seiner Geburtsstadt melden. Anders wäre das auch möglich gewesen und die Griechen hätten das vielleicht besser hinbekommen. Und die Tintenfische hat auch wieder keiner gefragt. Wir hätten das um einiges vereinfacht. Typisch. Dieser ganze Trek hatte den Effekt, dass die Hotels in Bethlehem total überbelegt waren, als die beiden ankamen. Josef hatte vergessen zu reservieren. Und offenbar war auch keiner seiner Verwandten oder ehemaligen Freunde mehr in Bethlehem, bei denen sie hätten unterkommen können. Vielleicht hatte Josef einfach keine Freunde. Vielleicht hatten die auch ein Problem mit seiner Homosexualität, unaufgeklärte Bande. Andererseits schien Bethlehem eh nicht der tollste Ort zum Leben sein, wenn dort so viele Leute weggezogen sind, dass sie nun anlässlich der Volkszählung sämtliche Hotelzimmer belegten.

Diese Sache ist vor allem wichtig, weil sie die weihnachtliche Ikonografie beherrscht – denn am Ende blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich in einem Stall breit zu machen (oder in einer Höhle, die als Stall genutzt wurde; da ist man sich nicht ganz einig). Man legte den frisch geschlüpften Erlöser als erstes in einen Futtertrog (auch als Krippe bezeichnet) anstatt eines Bettes. Hygiene geht anders, vor allem wenn man bedenkt, dass der Stall nicht etwa leer war, sondern für Vieh genutzt wurde.

Was für ein Tag… lange Reise von Nazareth auf dem Esel, geschwängert von (so sagt sie) einem älteren Herrn mit Rauschebart und (so sagt er) göttlichen Fähigkeiten (im alten Griechenland war das Alltag, fragt mal Leda, Europa und all die anderen Damen), begleitet vom schwulen Alibimann, dann Kind zwischen Kuhnasen und -scheiße in einem Futtertrog zur Welt gebracht. Da wäre es toll, mal ein wenig seine Ruhe zu haben. Und dann? Der Kindsvater schickt einen Boten zu einer Meute unbeteiligter Viehtreiber und scheucht sie zum Stall, um zu gaffen. Stellt euch das mal in modernen Zeiten vor: Josef rödelt mit einer Tupperschüssel warmen Wassers um Maria herum und rutscht dabei ständig auf den schmierigen Spaltrosten aus, während Maria ihren Sohn in die Blechrinne mit den mit Soja verschnittenen Antibiotika hinein gebiert. Draußen röhrt eine Flotte Trecker auf den Hof, gesteuert von ein paar angetrunkenen Viehzüchtern, denen in der Dorfkneipe mitten in den 17. Spieltag der palestinensischen Bundesliga ein Engel auf dem Fernseher erschienen ist.

Und dabei blieb es ja nicht: Damit noch mehr Leute kommen, wurde gleich der Halleysche Komet so als Wegweiser ausgerichtet, dass alle Welt auch noch vorbeicruist. Die drei Typen aus dem Morgenland (Weise Männer, Zauberer, Könige? Weiß es jemand?) brachten immerhin Geschenke mit, allerdings erst Anfang Januar, was im Endeffekt bedeutet, dass eahrscheinlich der Besucherstrom für mindestens zwei Wochen nicht abriss. Alle waren da – nur einer kam nicht rum, nicht einmal um Zigarren zu verteilen. Der Herr Papa.

Was feiern wir an Weihnachten? Den zweitbeschissensten Tag in Marias Leben. Na denn, frohe Weihnachten!

Heute denkt daran so ziemlich niemand mehr. Einige gehen vielleicht an Weihnachten in ihren Christentumtempel, die Kirche, andere singen ihrer wehrlosen Verwandtschaft ein paar schiefe Lieder. Die einstige Botschaft, dass Gott die Maria gepimpert hat, nur um ihn dreißig Jahre später killen zu können, und das Ergebnis der Pimperung zu Weihnachten das Licht der Welt erblickt hat, ist dabei zur dekorativen Nebensache und zum Vorwand geworden. Es geht inzwischen vielmehr um drei Dinge:

Kaufen, Schenken, Fressen oder vielmehr Kaufen, Kabbeln, Kotzen

Wochenlang wird gekauft, die gut Organisierten haben seit den Sommerferien bereits die ersten Geschenke im Schrank. Der Durchschnitt wartet bis zu Beginn der Adventszeit. Manche leben gerne gefährlich und drehen sich wie eingangs beschrieben desorientiert zu Heiligabend inmitten der Menschenmassen um sich selbst. Und das jedes Jahr wieder, denn Weihnachten ist auch ein Fest der Traditionen.

Beinahe jedes Jahr läuft Weihnachten in den menschlichen Haushalten nach dem gleichen Schema ab, das sich über die Jahre kaum ändert. Mit fortschreitender Baumzuchttechnologie werden der Kauf des Weihnachtsbaumes (eines pieksenden und Nadeln abwerfenden Ungetüms, das mit Gott und Jesus und so im Grunde nix zu tun hat) immer weiter nach vorne gelegt, sodass das grüne Gestrüpp schon Wochen vor dem fest im Flur herumnadelt und den Durchgang blockiert oder in ein netzartiges Kondom gehüllt auf der Terrasse lagert, als sei er ein deaktivierter Hobbit.

Vor zwanzig bis dreißig Jahren waren der Baumkauf und die Dekoration des Gewächses noch der Beginn der Heiligabendfeierlichkeiten inklusive des ersten Familienstreits. Der allerdings ist nach wie vor eines der wichtigsten Bestandteile der Feierlichkeiten, egal wann er ausbricht. Ob es nun Kartoffelsalat oder Forelle, Gans oder geröstete Kokosnuss mit frittiertem Brokkoli gibt, vorher gibt’s Ärger. Nervosität und Anspannung, gepaart mit unrealistischen Erwartungshaltungen führen dazu, dass Menschenlarven Amok laufen und die ausgewachsenen Exemplare einem Nervenzusammenbruch nahekommen. Der Anlass ist in der Regel minimal bis nicht existent. Eine Weihnachtsbaumkugel sitzt schief, die Lichterkette ist zu einem bizarren Klumpen vertüddelt (schon wieder!), das ist das falsche Mehl, aber doch nicht in so einem Pullover! Hat man sich erst einmal angeheizt, geht es fröhlich los… Da werden notfalls alte Familiengeschichten ausgegraben und müssen an diesem Tag nochmal so hochgekocht werden, dass es brennt. Wann kommt man schon in so gemütlicher Runde alle zusammen, um endlich das eine oder andere Familienmitglied für die eigene Misere, das individuelle Totalversagen verantwortlich zu machen. Man schmollt sich dann bis 16:00 Uhr an und geht in einigen Fällen in die Kirche. Das ist, wie erwähnt, die christliche Tempelanlage. Die feierliche Atmosphäre und die Tatsache, dass man jemanden hat, dem man all die Verantwortung aufbürden kann (sich selbst, denn im christlichen Glauben tragen alle eine automatische Schuld in sich), sorgen dafür, dass man wieder etwas herunterkocht und bereit ist für die Geschenkorgie.Wer nicht in die Kirche geht, nimmt in der Regel dennoch an verschiedenen Riten teil, bevor sich die Welpen wie eine Rotte ausgehungerter Velociraptoren auf die bunten Papierhüllen um ihre Geschenke stürzen.

Manche schauen erst noch den einen oder anderen Weihnachtsfilm, irgendwer liest mit monotoner Stimme eine Geschichte vor. Das geistig minderbemittelte, wenngleich für hochbegabt gehaltene Naturfilzerblag präsentiert eine schief kreischende Blockflöteninterpretation von „Stille Nacht“, läutet damit den Untergang des Abendlandes ein und tötet bei allen Zuhörern einen nicht geringfügigen Prozentsatz Gehirnzellen. Mit ein wenig Glück muss man noch den Livestream der entfernt verwandten Pfarrersfamilie ertragen, in der zusätzlich noch Kirchenlieder auf der Wandergitarre und eine Lesung des Neuen Testaments in ungekürzter Fassung dargeboten werden. Aber auch die schlimmste Folter ist irgendwann durchgestanden und spätestens dann, wenn man sich gegenseitig mit Konsumgütern zuschmeißt, ist alles wieder gut.

Spätestens wenn die ersten Kinderspielzeuge kaputt sind und die Kackblagen ins Bett geschickt wurden, werden größere Mengen Alkohol ausgepackt und es wird gesoffen, gelacht und dann weitergestritten, bis alle atemlos in ihren Sesseln hängen. Die Kraft ist aufgebraucht, der Ärger verraucht.

Eine einsame Schneeflocke fällt und vermag es nicht, die aufgerissenen Wunden zu bedecken. Das dauert. Alle verkriechen sich und sammeln Kraft.

Fürs nächste Schlachtfest.