sQuiShY reDeT üBEr GoTt

*DING DONG!*

  • haLLo? iCh biN eS, SquisHy, dEr TüRenöFFnenDe TintenFiscH!
  • Ja, Hallo, ich bin’s, der Flöbbl und ich möchte gerne mit dir über Gott sprechen.
  • Was? Worüber?
  • Gott.
  • Wer?
  • Über den Herrn im Himmel. Deinen Schöpfer.
  • Was soll ich damit?
  • Fragst du dich nicht auch manchmal, woher das alles kommt? Was der Sinn hinter all dem ist? Welche Rolle man dir in diesem Leben zuerkannt hat? Was diese wundervolle, komplexe Natur so perfekt konstruiert hat?
Halloooo… … …

Na gut, Flöbbl, reden wir über Gott, über Götter, über Religion. Ich sage es gleich, ich halte nix davon und ich brauche diesen Quark nicht. Aber wir sind gerade von der dunklen, düsteren Winterstimmung mit all ihren Momenten der Introspektion in die religiös verquaste, kitschig überhöhte Osterzeit gerutscht. Kombiniert mit den vielen Corona-Ängsten der heutigen Zeit und den Forderungen, die Kirchen doch zu den Feiertagen zu öffnen, schwabbelt der Gedanke an dieses Gott-Dings ständig in der Luft.

Die Herbst- und Winterzeit war schon schlimm genug. Im November hatte gerade erst auch der letzte Einfamilienhausbenutzer den Weber-Grill mit seinem Weber-Grillüberwinterungskondom eingehüllt und in der Weber-Grillgarage eingeparkt, das mit dem Original-Weber-Grillsicherungsvorhängeschloss vor Witterung und dem Zugriff gierig neidischer Nachbarn gesichert wurde. Die marinierten Schweinehälften sind aus der Auslage der Selbstbedienungstheke verschwunden. Trüben Blicks schaut man aus dem Fenster in den grauen Novembernebel zum geleasten Glanzstück der Familienflotte, das da still vor sich hinbrummt, während die Sitzheizung das Innenleben auf Saunatemperatur anwärmt, um den Weg zur Arbeit erträglicher zu gestalten. Auf der anderen Seite der Straße erkennt man schemenhaft Oma Harms, die, ein kariertes Einkaufstrolleyding hinter sich herzerrend, auf dem Weg ist, das Grab von Opa Harms in eine Heidekraut-Monokultur zu verwandeln. Während im Hintergrund die Ehefrau gerade dabei ist, die Kinder (erfolglos) für den Schulweg zu motivieren (ja, im November waren die Schulen noch offen…) und gleichzeitig die Tupperdosen mit Käsebroten füllt (die in der Schule oder im Werk dann traditionell entsorgt und gegen süße Snacks vertauscht werden), dabei noch den Kaffee für die Fahrt zur Arbeit (für beide) in Thermoskannen umfüllt, den Frühstückstisch abräumt und mit einem weiteren der gefühlten zwanzig Arme (tja, Tintenfisch müsste man sein, da hat man nicht nur tatsächlich mehr Arme, sondern jeder hat sein eigenes Gehirn, sodass Multitasking nicht nur eine Illusion ist) das Katzenklo leert… während all das irgendwo im Hintergrund passiert, starrt der Mann aus dem Fenster und hat man mal einen Moment der Ruhe und denkt. Da stellt sich man sich schnell mal vor, dass das Ehewesen eines Tages mit dem eigenen Trolley unterwegs sein wird und man selbst ist währenddessen, nun, tot. (Dass man in diesem Moment für die Ehefrau auch in praktischer Hinsicht tot ist, bleibt gerade ungesagt.) Fragt man sich da nicht nach dem Sinn hinter all dem? Fragt man sich da nicht schnell, was die eigene Rolle in dieser Welt ist, die einem zugestanden wurde? Verträumt starrt man in die Leere der eigenen Existenz, nimmt kaum wahr, wie draußen Mama die Brut mit einem gerade noch legalen Maß an Gewalt in ihren hochgebockten Panzer rammt. Man schlürft den letzten Kaffee, seufzt und dank Gott, dass man sich zwei Autos leisten kann – drei, wenn man das Wohnmobil mitzählt, dass bei Onkel Wilf auf dem Hof in der Scheune überwintert. Gott sei Dank, denkt er sich, während der SUV draußen mit leichter Verspätung in Richtung Schule braust, Gott sei Dank bin ich nicht so ein Asozialer wie der Frank, dessen Kinder mit dem Fahrrad fahren müssen, oder Ibrahim, der mit dem (schauder) Bus zur Arbeit kommt. Gott sei Dank.

Dann lächelt er leicht, denn er weiß, seine Petra wird dann in vierzig Jahren nicht zu Fuß mit dem Trolley, sondern mit dem Auto durch den tristen Nebel kreuzen, um mit klammen, arthritischen Fingern seine letzte Ruhestätte mit mickrigem Heidekraut zu bepflanzen.

Einen Sonntag später wird es wieder besinnlicher, denn die Adventszeit beginnt. Die Kerzen werden angezündet, der Fortnite-Adventskalender [Ja, das gibt es, ja, das ist bescheuert, ja, das kostet mit etwa 50 Euro ein Vermögen, ja, das ist wirklich bescheuert!] wird aufgestellt, gleich neben dem Asbach-Uralt-Weinbranntbohnen-Adventskalender, den man von Onkel Bruno geschenkt bekommen hat und der zum dritten Advent fürs Schrottwichteln ans Altersheim abgegeben wird. (Der Kalender natürlich, nicht Onkel Bruno… obwohl…) Die Weihnachtsdeko vom letzten Jahr wird herausgeholt und als nicht mehr zeitgemäß entsorgt und gegen entsetzlich kitschigen Müll ausgetauscht, der die modische Verfallsrate von genau vier Wochen (kurz vor Heiligabend muss nachgerüstet werden), chemisch aber von etwa 12.000 Jahren hat. Bald ist Weihnachten, das Fest der Liebe, der vermeintliche Jahrestag der Geburt des Sohns Gottes, also quasi Gottes selbst. Ist kompliziert…

„Gott“, genauer gesagt, der Gott der Monotheisten (Christen, Juden, Moslems) ist in den letzten Wochen des Jahres also überall und verschwindet für eine Weile, wenn nach Weihnachten alle Geschenke umgetauscht und das Weihnachtsgeld in Böller umgesetzt wurde. Er kehrt aber spätestens zur Osterzeit zurück, in mehrfacher Hinsicht. Dieses Jahr aber bleiben seine Tempel geschlossen. Corona. Alle sollen fröhlich zuhause bleiben. Schon vor den Ferien war der Familienpanzer stillgelegt und man selbst ins Homeoffice geschickt. Regelmäßig wurde man von der Brut mit den Matheaufgaben traktiert und bis an den Rand der Verzweiflung getrieben mit solchen, fürs Leben unnützen Prozeduren wie Multiplikationen. Natürlich wird da schnell mal gemeckert, man müsse doch bitte so schnell wie möglich das „normale Leben“ wieder eröffnen. Während aber bei Massenveranstaltungen wie der wöchentlichen Magen-Darm-Hirn-Desinfektion im Stadion oder mit „den Jungs“ auf dem Sofa die Rechtfertigung noch etwas schwer fällt, werden viele plötzlich wieder religiös. Die Öffnung der Kirchen sei unbedingt notwendig, denn Ausübung der Religion sei ein Grundrecht. Ja, ist Leben auch, aber egal, man möge doch zu Ostern jedenfalls die Kirchen wieder aufmachen dürfen. Nicht nur der Trump in den USA will das, auch in Deutschland will man das, weil Ostern eines der wichtigsten Feste derjenigen Gott-Fans ist, die sich Christen nennen.

Jesus-Tempel

Macht euch das mal deutlich: Da wollen einige Leute unbedingt einem übernatürlichen, wohlwollenden Typen huldigen und sind dafür bereit, die ganzen Bemühungen der vergangenen Wochen zunichte zu machen. Muss ein Prachtkerl sein, dieser Gott. „Der Herr wird mich schützen!“ sagen sie, „Und wenn er mich zu sich rufen will [heißt: qualvoll ersticken], dann wird er es tun. Früher oder später müssen wir alle sterben.“

Ja, ich kenne einige, die fänden „später“ irgendwie besser als „früher“ und würden das gerne nicht euch verstrahlten Fanatikern überlassen.

Spricht man über das Thema Religion und äußert sogar Kritik, muss man vorsichtig sein, denn diejenigen Menschen, die an einen (oder mehreren) dieser Götter glauben, sind nicht selten sehr empfindlich. (Ich grenze das hier einfach mal auf Menschen ein, denn die meisten Tiere, einige Kreaturen aus Absurdistan [Flöbbl] und natürlich Ameisen ausgenommen, glauben an keinen Gott.) Philosophieprofessor Daniel C. Dennett sagte dazu mal:

The religions have contrived to make it impossible to disagree with them critically without being rude. […] You know, the sort of play the hurt-feelings card at every opportunity […]
(Die Religionen haben es hinbekommen, dass es unmöglich ist, ihnen kritisch zu widersprechen, ohne unhöflich zu scheinen. […] Weißt du, sie spielen irgendwie bei jeder Gelegenheit diesen Verletzte-Gefühle-Trumpf aus […])

Warum das so ist, können wir vielleicht später betrachten, aber als Tintenfisch ist mir das ehrlich gesagt ziemlich wurscht. Verletzen wir also mal ein paar Gefühle…

Gott. Wer oder was ist das? Gott ist der ultimative hausaufgabenfressende Hund. Gott ist die totale, sexuell frustrierende Migräne. Gott ist das allmächtige „mein Kind ist krank“, „der-Bus-kam-zu-spät“, „meine Oma ist gestorben“, „meine Katze hat mir in die Schultasche gekotzt“, „mein Goldfisch ist im Papiereinzug meines Druckers verreckt“. Gott ist die größte Faule Ausrede Religiöser Zeitgenossen (kurz: F. A. R. Z.)

Eigentlich heißt es ja, Wissen sei Macht. Was aber tut man, wenn man Macht will, aber nix weiß? Dann tut man so, als wisse man alles und reimt sich einfach irgendeinen Kram zusammen. Und in vor-antiken Zeiten war das bei euch Menschen eine Menge, das man sich da zusammenreimen bis sogar zusammenlügen musste. Zur Illustration ein Dialog zwischen Onkh (Vize-Chef-Mammuterschnüffler und Augenbrauenwulstträger 2. Klasse) und Vhugg (Weiser Mann, Milchpriester und Typ, der heimlich Onkhs Alte Grompf flachlegt, wenn dieser auf Mammuterschnüfflung unterwegs ist):

Onkh: Was ist das für eine große helle Murmel da oben?
Vhugg: Die Sonne, das ist ein Gott.
Ach so. Und warum regnet es?
Äh… Regengott.
Warum erbricht sich der Berg da hinten?
Ist doch klar: Feuergott?
Hat der auch einen Namen?
Öhm, klar… ähm… äh… „Fhoarg`tt“!
Bitte? Klingt fast genau so wie „Feuergott“.
Ähm, klar, daher kommt das Wort „Feuergott“ ja auch.
Ach so. Und ich dachte immer…
Mach dich nicht lächerlich!
Okay. Nächste Frage: Warum musste Urg sterben?
Gott. Totengott, um genau zu sein. Oder, äh, Lepra-Gott.
Lepra-Gott? Ernsthaft?
Klar.
Willst du mich verarschen?
Wer hat die heilige Robe des Milchpriesters an?
Du, Vhugg.
Also: Lepra-Gott!
Na gut, oh großer Milchpriester! Und woher kommen die Fische?
Flussgott.
Hätte ich mir denken können.
Hast du aber nicht! Darum: [Deutet auf sich selbst] Milchpriester!
Okay, was ganz anderes. Pass auf: Warum finde ich Grompf so geil?
Grompf ist eine geile Sexgöttin!
War… Moment! Was…? Wie…? Woher…?
Äh… Ich bin Milchpriester! Ich weiß alles.

Mit der Zeit wurden die Fragen diffuser: Woher kommt das Universum? Warum bin ich? Was ist das Sein? Anstatt für jeden Scheiß ein kleines Göttlein aus dem Hut zu zaubern, kam man irgendwann mit dem Monotheismus um die Ecke – ein allmächtiger, wohlmeinender, aber extrem empfindlicher Gott, der einfach alles abdeckt: Regen, Vulkane, Krankheit, Fische und natürlich die Migräne des Weibchens. Gott, die all-inclusive Ausrede für den modernen Milchpriester, die die ganzen anderen Religionen in großen Teilen der Welt einfach mal grob wegschrubbte.

Und nun sitzt ihr Menschen hier im 21. Jahrhundert nach der angeblichen Geburt des Sohnes dieses großen, allmächtigen Bartträgers und feiert, dass eben jener seinen eigenen Sohn hat umbringen lassen. Zum Weihnachtsfest wird der Nachbar sein Haus in eine Lightshow verwandeln, die Pink Floyd vor Neid hätte erblassen lassen, die UNO muss sich mit der Frage auseinandersetzen, ob „Last Christmas“ nicht genau so geächtet gehört wie Landminen. Zu Ostern wird erst nicht getanzt, dann werden Karnickelhoden gegessen oder so. Da war irgendwas mit Hasen. Und Eiern. Osterbräuche fand ich schon immer komisch.

Hase, wo sind deine Eier?“

Die Menschen feiern – und das nur, weil der Milchpriester des Dorfes damals einfach wissenschaftlich nicht wirklich weit war und sein mieses Ego es ihm nicht erlaubte zuzugeben, dass er von den meisten Dingen absolut keine Ahnung hatte.

Tintenfische brauchen keinen Gott. Tintenfische wissen, was sie nicht wissen und versuchen das auch gar nicht zu vertuschen. Evolutionsbiologe Richard Dawkins nennt das „Bescheidenheit“, wenn in der Wissenschaft (im Vergleich zur Religion) offen mit (hoffentlich vorübergehendem) Unwissen umgegangen wird, statt die große göttliche Variable F.A.R.Z. an allen weißen Flecken einzusetzen. Tintenfische nennen das normal. Es gibt Dinge, die wissen wir einfach (noch) nicht, aber wir arbeiten daran. Bis auf einige geistig schwammige Exemplare (Hallo, Flöbbl!) kommen wir ohne irgendeinen Gott aus. Für viele Christen und andere Gläubige ist das unverständlich, denn sie sehen überall „Beweise“ für seine Existenz.

Das Problem bei diesen Dingern ist, dass sie nur in einem gewissen Kontext funktionieren und vielfach bereits die Ansicht erfordern, dass so etwas wie ein Gott überhaupt möglich ist, um wirklich Sinn zu machen. Ansonsten sind sie meistens nichts anderes als philosophische Wortklauberei und religiöses Hypothesenschmieden. Ich will hier nur ein Beispiel geben.

Es folgt: Der kosmologische „Gottesbeweis“
Dieses Ding geht nach einem scheinbar logischen Dreischritt vor: Alles, was einen Anfang hat, muss eine Ursache haben. Das Universum hatte einen Anfang, also hatte das Universum eine Ursache. Diese wäre dann natürlich „Gott“. Schauen wir uns das mal im Detail an:

  • Alles, was einen Anfang hat, muss auch eine Ursache haben. Die Vertreter dieses Beweises sprechen auch davon, dass nichts einfach so aus dem Nichts entstehen kann. Alles muss ja irgendwo herkommen. Auch das Universum. Da haben wir schon das erste Problem, denn da wird langsam aber sicher im Hintergrund schon eine lustige Ausnahme eingeschleust, dewo zum Geier kommt Gott eigentlich her? Psst…
  • Das Universum hatte einen Anfang. Ja, und da haben wir schon das nächste Problem. Hatte es? Hatte das Universum wirklich einen Anfang? Wir können die Existenz des Urknalls nachweisen, weil man das „Echo“, eine schwache Mikrowellenstrahlung, messen und nachweisen kann. Es gab also ein Ereignis, bei dem sich das gesamte Universum aus einem winzigen Punkt heraus explosionsartig ausgedehnt hat wie die Backen eines Kampftrinkers, der nicht will, dass man seinen Rülpser hört. Das Interesse gilt aber dem Punkt, dieser „Singularität“. Die war nämlich so dicht gepackt, das alle Materie, alle Energie nur noch ein wirres dickes Klumpatsch waren, das aufgrund seiner Masse und Dichte so eine hohe Gravitation hatte, dass alle anderen Naturgesetze außer Kraft gesetzt waren. Wir können mit unserem aktuellen Wissensstand nichts darüber aussagen. Auch Zeit, das wissen wir seit Albert Einstein, funktioniert bei so einem Phänomen nicht mehr. Bei einer quasi unendlichen Dichte und Schwerkraft kommt die Zeit effektiv zum Erliegen. Klingt komisch, klar. Man hat aber sogar schon messen können, dass Schwerkraft Zeit bremst.
    Das nächste Mal, dass ihr euch also darüber aufregt, dass euer Kumpel mit besonderem Übergewicht so langsam sei, überlegt einfach mal, ob in dessen Gravitationsfeld Zeit nicht einfach so gebremst ist, dass er nur verlangsamt erscheint. (War das jetzt fat shaming? Hoppla… ich setze sofort einen tränenüberströmten Tweet ab, dass mir das jetzt tierisch Leid tut.)
    Im Endeffekt können wir darum gar nicht sagen, ob das Universum einen Anfang hatte, weil wir nicht auf die andere Seite des Urknalls gucken können. Wenn ein Typ mit seinem Auto gerade irgendwo losfährt, muss es nicht gerade seine Reise beginnen, sondern hatte vielleicht nur kurz am Straßenrand angehalten, um zu kacken. Wir können aktuell nicht sagen, ob das Universum nicht schon vor dem Urknall existiert hat, sich nur einmal zu einem Punkt zusammengezogen und dann wieder ausgedeht hat. Wir wissen nicht, ob es beim Urknall nicht einfach mal kurz kacken war.
  • Also muss das Universum eine Ursache haben. Wie gesagt, ob das Universum einen Anfang hatte, können wir gar nicht sagen. Damit ist dieser „Beweis“ noch nicht einmal eine gute Theorie, denn sie lässt sich nicht beobachten. Wir können sie weder be- noch widerlegen. Aber nehmen wir diese Hypothese einfach und spinnen sie weiter. Vertreter des kosmologischen Beweises lehnen sich an dieser Stelle mit diesem arroganten Besserwissergrinsen zurück und lassen den Zuhörer den Rest machen: „Ah! Und die Ursache ist… Gott?“ Wohlwollend neigen sie den Kopf. Gut gemacht, nimm dir einen Jesus-Keks.
    Was mich bei diesem Dings so aufregt: Es beweist nicht die Existenz eines Gottes, schon gar nicht des vielgerühmten christlichen Gottes. Alles, was der kosmologische Ansatz schließt, ist die Existenz einer Ursache – ein endliches Universum vorausgesetzt, das sich aktuell nicht beweisen lässt. Es wird nicht geklärt, was diese Ursache ist, woher diese kommt oder ob diese Ursache nicht auch eine Ursache gehabt haben muss.
    Leute, wie der Theologe William Craig Lane haben versucht, das Prinzip irgendwie umzustricken, zu aktualisieren und am Leben zu halten, aber mehr als über Annahmen sind sie nicht hinweg gekommen.
    Unser Autofahrer hat bei seinem Halt am Straßenrand das Auto ausgemacht und den kleinen Speicher mit den bisherigen Fahrdaten gelöscht. Über seine bisherige Fahrt können wir nur raten.
    (Wenn jetzt irgendwer herkommt und den Fahrer fragen will, dann muss ich dem sagen, dass Metaphern auch ihre Grenzen haben und dass diese genau jetzt erreicht ist.)

Mit den anderen kursierenden Beweisen sieht es nicht besser aus. Sie alle sind nur logische Gedankenspiele, irritierende Indizien, mehr nicht. (Vielleicht mache ich mal eine Serie dazu, aber andererseits… vielleicht auch nicht.) Der Wert des ganzen ist vergleichbar mit einer Gedankenreise, von der Grundschüler wissen, das sie sich auf eine solche begeben müssen, wenn Frau Arschbold-Grützbeutel mit dem ollen CD-Player in den Raum kommt. Keiner hat bislang beigehen können und sagen können „Klar gibt es Gott! Guck, da isser!“ Und tatsächlich: Da isser und nickt und grinst.

Und ebenso wenig konnte jemand bei all diesen „Beweisen“ oder abgeschwächt „Argumenten“ für „Gott“ schlüssig begründen, um welchen es denn nun geht. Die meisten sind pure Sophisterei, Wortklaubereien, die belegen sollen, dass es da doch bestimmt irgendwie irgendwas geben müsste. Gerade die ganzen Monotheisten meinen immer gleich, es beweise genau ihren Gott und keinen anderen – bzw. sie sehen gar nicht, dass es theoretisch noch andere geben könnte:

  • Warum beweist das Ganze nicht vielmehr, dass sich einst Eurynome aus dem Chaos erhob, um die Welt zu erschaffen?
  • Was ist mit dem Großen Grünen Arkelanfall, der das Universum einst ausgeniest hat, wie Douglas Adams dies einst in der heiligen Schrift H2G2 beschrieben hat?
  • Es kann auch Xt’tl“kTL’x gewesen sein, Gott der Ameisen vom Haufen an der B 78 (dritter Haufen nach dem östlichen Ortsausgang von Neu-Grottulm) gewesen sein. Für die Ameisen sind sie selbst nämlich die Krönung der Schöpfung und wir Menschen nur eine fiese Naturkatastrophe, die als Prüfung standhaften Glaubens dient.
  • Es kann tatsächlich ja sein, dass es einen Schöpfergott oder ein ganzen Pantheon mit einem ziemlich kruden Humor gibt, das sich das Universum nur als eine Form des Unterhaltungsfernsehens, eine Reality Soap, ausgedacht hat. Fans der Aktion sind gerade ziemlich sauer, weil diese neue Truppe an Charakteren aus der „Earth-Spin-Off“-Serie, diese Menschen die ganze Show dominieren und sie hoffen, dass langjährige Publikumslieblinge wie der T-Rex überraschend von den Toten auferstehen. Jurassic Park war aber für sie ein interessanter metaphilosophischer Subplot.

Klar, auch die Wissenschaft ergeht sich gerne in Hypothesen und Theorien, die nicht selten aus kaum mehr als mathematischer Rechnerei entstehen. Von dem so genannten Higgs-Boson, einem kleinen Elementarteilchen, wurde etwa 50 Jahre lang nur als Vermutung gesprochen, bis man es endlich mal vor acht Jahren hat nachweisen, also tatsächlich beobachten können. Gravitationswellen waren über 100 Jahre lang nur das Ergebnis von Formeln und Gedankenspielen. Vor wenigen Jahren konnten sie tatsächlich beobachtet und damit nachgewiesen werden. Bei ihnen konnte man quasi mit dem Finger zeigen und sagen „Guck, da isses!“

An einem Gott dagegen wird seit tausenden von Jahren herumhypothetisiert. Nix. Es ist beinahe so, als wolle er gar nicht, dass man an ihn glaubt.

Dabei ist „Glaube“ alles, was bleibt. Und sogar mit dem habe ich meine Probleme. Denn euer komischer Gott – oder zumindest das, was ihr dafür haltet – ist ein ziemliches, ich sage es mal deutlich: Arschloch. Er ist gütig? Klar, deswegen müssen sich Theologen auch immer so schrecklich winden, wenn sie versuchen, die furchtbaren Dinge der Welt zu erklären. Sie finden sogar einen Begriff dafür: „Theodizee“. Er ist allwissend? Warum sollen die Menschen dann in irgendwelche Kirchen rennen, auf den Boden fallen und ihm huldigen, nur, um ihm ihren Glauben zu demonstrieren? Das sollte er doch auch so wissen. Und warum überhaupt will er, dass man an ihn glaubt? Gute Dinge tun kann man auch so. Nicht töten, nicht stehlen (da halten sich alle gottesfürchtigen Menschen auch so sehr dran), nicht lügen, all das Zeug, das in eurem Minimalgesetzestext „Zehn Gebote“ steht. Was nicht da drin steht, wäre so etwas wie Gewaltanwendung oder allgemein etwas gegen Vergewaltigung. Dafür war leider kein Platz mehr, denn 30% dieser kleinen Sätzchen mussten leider dafür draufgehen, dass man ihm bitteschön nicht komisch kommen soll und er der einzige, der geylste, beste und coolste ist und dass man sich einen ganzen verdammten Tag in der Woche dafür reservieren soll, ihn geyl zu finden.

Huldigungs-Stätte

Okay, okay. Soll ja jeder glücklich werden mit dem lustigen Weltbild, das ihm Halt und Hilfe und Trost bringt. Du bist einsam und braucht gerade in Zeiten der Selbstisolation einen imaginären Freund? Kein Problem. Aber muss es so ein narzisstisches, selbstverliebtes und rachsüchtiges Arschloch sein, das versucht ist, den ganzen Planeten zu verwüsten, nur weil du mal ausnahmsweise mit deiner Zimmerpflanze geredet hast? Muss es einer sein, der euch regelmäßig auf die Knie zwingt und verlangt, dass ihr um Vergebung bittet, weil ein fiktives, prähistorisches Pärchen das falsche Obst gegessen hat?

Vielfach wird gesagt, es brauche einen Glauben und einen Gott (oder gar mehrere), um moralisch handeln zu können. Ist das so? Seid ihr ernsthaft unfähig, euch auch so zu benehmen? Müssen Mitgefühl und Mitleid, muss die Fähigkeit, sich nicht wie ein dummes Dreckstück zu benehmen unbedingt von außen aufgedrückt werden? Könnt ihr das nicht von selbst? Könnt ihr nicht einfach akzeptieren, dass ein Maß an vernünftigem Miteinander einfach euer instinktives Verhalten als Rudeltier ist? Tatsächlich: Götter und Glaube hin oder her – zahllose Tiere verhalten sich oft sozialer und sogar moralischer als viele Menschen.

Für andere ist der Glaube das eine Instrument, das ihnen die Angst vor beispielsweise dem Tod nimmt. Sie glauben dann einerseits an einen ominösen Himmel, der ihnen nach dem Tod offensteht, gleichzeitig aber oft auch an eine Hölle, so eine Art posthumer Über-Gulag. Und es reicht auch schon, einfach nicht an Gott zu glauben und ihm zu huldigen, um dorthin verbannt zu werden und die sprichwörtlichen Höllenqualen für alle Ewigkeit zu erleben.

Tut mir leid. Das ist arschiges Verhalten. Warum sollte ein überweltliches Wesen, das als allwissend, allmächtig und auch noch gut und lieb genannt wird, Sinn machen, wenn es gleichzeitig als arrogant, egozentrisch, narzisstisch und nachtragend charakterisiert wird? Hat er das verdient? Glaubt gerne, was ihr wollt, aber fragt euch einfach mal, ob jemand, der sich so sehr danebenbenimmt es verdient hat, angebetet zu werden oder ob ihr das nur tut, weil ihr Angst vor ihm habt.

Da glaube ich lieber an Cthulhu, der gibt jedenfalls offen zu, dass er alle vernichten oder zumindest versklaven will und tut nicht ganz gütig und lieb. Oder Xt’tl“kTL’x, der lässt mich mit seinem Kack jedenfalls in Ruhe…

FHTAGN!

1 thought on “sQuiShY reDeT üBEr GoTt”

Kommentare sind geschlossen.